Geschichte der Luftfahrt in DA

Geschichte der Luftfahrt in Darmstadt

Am 17. Mai 1914 Prinz-Heinrich-Flug startet in Griesheim

Es war ein kalter Mai-Sonntag vor einhundert Jahren, als frühmorgens die ersten Flieger ihre Doppeldecker und „Tauben“ starteten, um am größten Zuverlässigkeitsflug vor dem Ersten Weltkrieg teilzunehmen.

Benannt war der Flugtag nach dem Bruder von Kaiser Wilhelm, Prinz Heinrich von Preußen, der selbst ein begeisterter Flieger war und als Flugschüler von August Euler auf dem Griesheimer Flugplatz das Fliegen erlernt hatte.

Die Großveranstaltung war ein logistisches Meisterwerk. Das Anmeldeverfahren war aufwändig, schon Tage vor Beginn des Wettbewerbs mussten die Flugmaschinen zur technischen Überprüfung kommen.

Die Zeitung schrieb „Am 15. und 16. Mai ist ein sehr reger Flugverkehr auf dem Flugplatz zu erwarten, da sämtliche Apparate eingeflogen werden müssen. (…) Zur Bewältigung des zu erwartenden Verkehrs (…) werden alle von Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Heidelberg und Mannheim nach Darmstadt gehenden und von da kommenden fahrplanmäßigen Züge verstärkt und in der Nacht vom 16. zum 17. Mai Sonderzüge gefahren. (…) Zur Sicherheit des zu erwartenden Riesenverkehrs sind eine Reihe von polizeilichen Anordnungen für den Fuhrwerks- und Personenverkehr erlassen worden. Das Publikum wird dringend aufgefordert diese Anordnungen zur Verhütung von Unglücksfällen genau zu befolgen.“

Zehntausende machten sich auf den Weg nach Griesheim.

Ferdinand von Hiddessen zählte zu den Flugpionieren Deutschlands. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 flog er als erster deutscher Pilot nach Paris, um dort Propaganda-Material und leichte Bomben abzuwerfen. 1915 wurde er abgeschossen und schwer verwundet. Er zog sich als Landwirt zurück. Ende der „Goldenen Zwanziger“ trat von Hiddessen der NSDAP bei und macht dort Karriere.

August Eulers erster Flugplatz

Der Flugplatz am Griesheimer Sand war 1908 vom Luftfahrtpionier August Euler als erster deutscher Flugplatz gegründet worden. Er hatte damals schon Straßenbahn- und Gleisanschluss, mehrere Hangars und ein Heim für die Piloten, die Euler als Lehrmeister hatten. Darunter fanden sich Namen wie Ferdinand von Hiddessen und Prinz Heinrich von Preußen.

Unterstützung fand Euler bei Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein und dessen Gemahlin Großherzogin Eleonore, die selbst gern im Eulerschen Zweisitzer mitflog, wenn sich eine Gelegenheit ergab.

Leistungsschau der Fliegerei

Voller Stolz wird von der großen Zahl der gemeldeten Teilnehmer berichtet. Von der bayrischen und der preußischen Heeresverwaltung werden 20 Offiziere gemeldet, von Flugzeugfabrikanten 34 Flugzeuge. Nach Meldeschluss waren insgesamt 40 Flugapparate teilnahmeberechtigt.

Jetzt konnte die Rallye in der Luft beginnen: Sie war eine kombinierte Übung aus Langstreckenflug und militärischen Aufklärungsübungen. An verschiedenen Punkten wurden die Flugzeuge kontrolliert. Das Bodenpersonal suchte mit Feldstechern den Himmel ab, der Pilot warf eine Kontrolltasche ab, in der sich eine Art „Erkennungsmarke“ befand, die dann als Nachweis für das erreichte Etappenziel gewertet werden konnte. Zeit und Ort wurden genau notiert.

Quelle: www.luftfahrtgeschichte-darmstadt.de